Neue Geschäftsmodelle – BIM (Building Information Modeling) ist der Schlüssel zur Digitalisierung der traditionellen Baubranche

Auszug aus der Bachelorarbeit von Jonas Krauss

BIM Prinzip
Die Digitalisierung ist in aller Munde. Sie verändert und stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Diese erreichen auch traditionelle Branchen, wie die Baubranche. Hier wird die Digitalisierung vor allem durch eine neue Methodik, dem Building Information Modeling (BIM), getrieben. Jedoch sind die Auswirkungen dessen noch nicht umfänglich abzusehen. Sicher sei aber, dass sich auch Geschäftsmodelle verändern könnten und eventuell auch müssen.

Building Information Modeling – Definition

Seit den ersten Arbeiten, welche von der Idee hinter dem BIM sprechen sind knapp 35 Jahre vergangen und auch der Begriff selbst hat sich schon im Jahr 2002 durch ein Whitepaper von Autodesk etabliert.  Bis heute ist die Bedeutung des BIM immer weiter gestiegen und trotzdem befinden sich eine Vielzahl der Normen und Standardisierungen noch im Aufbau.  Auch eine allgemein gültige Definition des BIM hat sich noch nicht durchgesetzt, weshalb im Folgenden drei Interpretationen angeführt werden, welche in ihrem Detaillierungsgrad steigen.

Vor dem Hintergrund das BIM zu standardisieren, ist im Mai 2015 von dem European Committee for Standardisation das technische Gremium CEN/TC 422 gegründet worden. Aus dem Business Plan des Gremiums geht als Schwerpunkt die Tätigkeit der „Standardization in the field of structured semantic life-cycle information for the built environment“  hervor. Nach dieser Definition befasst sich das BIM mit der Verwaltung von semantischen Informationen, die während des gesamten Lebenszyklus eines Objekts im Bauwesen entstehen.  Semantische Informationen sind dabei gleichbedeutend mit den Informationen, die durch eine detaillierte Beschreibung von Merkmalen mit bspw. Worten oder Zeichen, anfallen. Mithilfe zusätzlicher Attribute könnten durch semantische Informationen nicht nur 3D-Modelle, sondern auch weitere Charakteristika eines Objekts gespeichert werden. Beispiele hierfür seien Materialeigenschaften, Druckverluste, Förderhöhen oder Kommunikationsprotokolle.

Verglichen mit dieser Erklärung wird das BIM durch die DIN SPEC 91400 deutlich ausführlicher beschrieben. Diese Norm gehört nicht zu dem deutschen Normenwerk und wurde mittels des PAS- Verfahren erstellt. Das bedeutet, dass die Norm in einem Workshop entstanden ist, welcher weder die Richtigkeit gewährleisten kann, noch alle Interessenskreise einbezogen hat.  Dennoch stammt sie aus der Zusammenarbeit einiger Experten, welche das BIM wie folgt definieren: „[Das BIM ist eine] Arbeitsweise, bei der das räumliche Bauteilgefüge in einem digitalen Bauwerksinformationsmodell erfasst wird, wobei die Räume und Bauteile der baulichen und technischen Anlagen durch ihre charakteristischen Eigenschaften und durch ihre Beziehungen untereinander beschrieben werden.“  Konkret geht es also um eine Arbeitsweise, bei welcher Informationen in einem digitalen Modell gespeichert werden. Diese Informationen beschreiben sowohl das Modell, als auch die Abhängigkeiten von Modellinhalten untereinander.

Dies beschreibt das BIM aber noch immer nicht vollumfänglich. So definiert das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ das BIM als „ … kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“  Besonders deutlich wird, dass es sich beim BIM also um eine Methodik handelt, bei welcher die „kooperative“ Arbeit und „Kommunikation“ im Vordergrund steht.

Aus diesen drei Definitionen lässt sich das BIM als Methodik beschreiben, bei der semantische Informationen eines Bauwerks digital gespeichert werden. Es entsteht ein Modell, welches das Bauwerk ausführlich beschreibt und Abhängigkeiten, sowie Beziehungen einzelner Inhalte untereinander festhält. Dies ermöglicht die Entstehung eines digitalen Zwillings des realen Objekts. Dieser kann zur durch-gängigen Kommunikation über alle Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes genutzt werden und steht verschiedenen interessierten Kreisen zur Verfügung. Angefangen vom Architekten und Planer bis hin zur Bewirtschaftung und dem Rückbau des Gebäudes wird gemeinschaftlich an diesem Modell gearbeitet. Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass das BIM oftmals und irrtümlicher-weise lediglich als Softwarelösung und 3D- Visualisierung verstanden würde. Viel-mehr beschreibt das BIM aber ein Vorgehen, welches zwar durch eine Software gestützt ist, aber nicht auf dieser beruht. Denn der Schwerpunkt des BIM liege vor allem auf dem Umgang und der Nutzung der zusätzlichen semantischen Informationen über ein Bauteil, wie den zugehörigen Kosten und Lieferterminen, oder genaueren Produktspezifizierungen.  Aus diesem Grund sollte statt von einer neuen Software von einer Evolution der klassischen 2D und 3D-Darstellung gesprochen werden. Diese Evolution würde nach dem BMVI ein so großes Potential bieten, dass digitale Modelle, welche alle Phasen im Lebenszyklus eines Gebäudes begleiten, in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein werden.  Denn mithilfe des BIM könnte in Zukunft ein Gebäude digital geplant, gebaut und betrieben werden.  Ermöglicht würde dies durch den digitalen Zwilling, welcher unter dem Motto „erst digital, dann real bauen“ entsteht.  Nicht zuletzt aus diesem Grund wird in der Publikation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Bezug auch von der „vollständigen Digitalisierung“ der Baubranche durch das BIM gesprochen.

Hintergründe zur Anwendung des BIM in der Praxis

Um moderne Gebäude zu errichten und die Herausforderungen in der Bauindustrie zu bewältigen, wird oftmals von der integralen Planung gesprochen. Doch auch dieser Begriff ist erklärungsbedürftig. So bezeichnete Heidemann die integrale Planung im Jahr 2014 noch als ein „Mysterium“ und weist daraufhin, dass diese oftmals als „Allheilmittel“ angesehen würde.   Dabei würde sie von Planern gewünscht, um die zunehmend komplexeren Anforderungen in Bauprojekten zu bewältigen. Dennoch läge keine genaue Definition vor, was die integrale Planung sei.

Heidemann stellt aufgrund der fehlenden Definition das Ziel der integralen Planung dar. Seiner Interpretation folgend soll diese die Errichtung von Gebäuden sicherstellen, welche den heutigen Anforderungen gerecht würden. Dafür sei es notwendig, verschiedene Faktoren über den gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen. Dies beträfen u.A. die Wirtschaftlichkeit und notwendige Flexibilität zur vorgesehenen Nutzung eines Objekts, sowie die Nachhaltigkeit und Sicherheit. Damit sei die integrale Planung der Ansatz, den Gebäudebau ganzheitlich zu betrachten.

Daraus lassen sich die Tätigkeiten in den verschiedenen Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes ableiten. Eine ganzheitliche Betrachtung von der Planung bis zum Rückbau des Gebäudes steht auch bei der Methodik des BIM im Vordergrund. Ziel ist es in einem gemeinsamen Modell, die auf die integrale Planung bezogenen und dargestellten Tätigkeiten zu steuern. Dabei findet eine Koordinationsarbeit statt, um die Prozesse zu strukturieren und dadurch den Austausch der Planungsdaten zwischen den Projektbeteiligten zu ermöglichen.

So liegt die Vermutung nahe, als könnte BIM tatsächlich die Lösung dafür sein, das Mysterium der integralen Planung tatsächlich zu einem Allheilmittel für komplexe Bauprojekte zu machen.

Dieser Eindruck wird jedoch von Liebich widerlegt, der dagegen eine andere These aufstellt. So ist er der Meinung, dass nur durch den Einsatz des BIM nicht alle Herausforderungen in einem Bauprozess gemeistert werden könnten.  Unter-strichen wird dies zusätzlich durch die Autoren von Both und Wallner, welche darauf hinweisen, dass das BIM lediglich dem integralen Ansatz folgt.

Schlussfolgernd aus den Eigenschaften des BIM und dem Vergleich mit der integralen Planung, kann festgehalten werden, das große Ähnlichkeiten bestehen. Treffend formuliert wird dies von Treck et al., die das BIM als ein Instrument in der integralen Planungsmethodik bezeichnen.

Dieses Instrument eignet sich nicht nur für die Erstellung eines digitalen Modells und zur Koordination der Zusammenarbeit. Stattdessen ermöglicht das Vorhalten der Daten auch die Kosten- und Mengenkalkulation, sowie die Einhaltung und Planung von Terminen. Als ein Beispiel könnte hier die Berechnung der anfallenden Kosten für Wasserleitungen genannt werden, die automatisch über die exakte Ermittlung der benötigten Rohrlängen dargestellt werden kann.  Zusätzlich dient das Modell der Kollisionskontrolle, oder bspw. zur Tragwerksberechnung und der Überprüfung, ob Brandschutzbestimmungen eingehalten sind.

Entscheidend dafür, welche Möglichkeiten durch das BIM zur Verfügung stehen, ist jedoch die Auswahl der Dimension, bis zu welcher Informationen bereitgehalten werden. Je höher die Dimension, desto mehr Informationen sind in einem BIM-Modell gespeichert und desto mehr Möglichkeiten entstehen. Derzeit wird meist von sieben Dimensionen gesprochen, wobei auch weitere Dimensionen wie die Sicherheit des Gebäudes (8D) angedacht sind.


Eine andere Angabe, um zu spezifizieren, welche Detaillierung der Daten notwendig ist, bietet der „Level of Development“ (LOD). Dieser wird oftmals auch als „Level of Detail“ bezeichnet und setzt sich aus dem LoG (Level of Geometry), LoI (Level of Information), LoC (Level of Coordination) und dem LoL (Level of Logistic) zusammen. Für jeden der einzelnen Levels ist eine Definition von 100 (grob) bis 500 (fein) möglich. Dabei würden sowohl die geometrischen Angaben, wie auch die visuelle Darstellung und die semantischen Informationen spezifischer.   Der LOD 500 ist als „as-built“-Modell dabei mit einer 7D-Ausprägung der BIM-Modelle gleich-zusetzen. Abweichend von der Zusammensetzung aus den oben genannten vier verschiedenen Eigenschaften, wird der LOD in der Praxis oftmals lediglich durch den LOG und den LOI bestimmt. Insgesamt hänge die Entscheidung, welches LOD genutzt werden soll, von den Anforderungen und Bedürfnissen im Bauprojekt ab.  Normalerweise würde der Informationsgehalt während des Projekts zunehmen.  Genau wie bei der Definition des BIM im Allgemeinen oder Festlegung der zu über-gebenden Informationen, sind hierfür aber noch keine Standards und Normen festgeschrieben. Aufgrund der vielen fehlenden Standards und Normen arbeiten derzeit viele Organisationen an der Entwicklung dieser. Einer der wenigen Standards, welcher sich bereits etabliert hat, sei der IFC-Standard. Dieser diene der plattformunabhängigen Übermittlung von geometrischen Produktdaten und lege ein Datenschema fest.   Durch diese Eigenschaften ermöglicht der IFC-Standard eine Schnittstelle. Diese gewährleistet, dass die von den Beteiligten bereitgestellten Informationen im gemeinsamen BIM-Datenmodell auch für andere lesbar sind und genutzt werden können. Durch das IFC-Format als objektorientierten Datenstandard könnten dabei die einzelnen semantischen Informationen verarbeitet, sowie Beziehungen und Abhängigkeiten dargestellt werden.

Allein die Definition des Datenstandards und des LOD reichen aber nicht aus, um die Zusammenarbeit bei einem Bauprojekt zu ermöglichen. Stattdessen muss sich auch darauf geeinigt werden, wie das BIM genutzt wird.

Unterschieden werde zwischen der Nutzung von BIM zur Planung in einzelnen Phasen (little BIM), oder der Planung und Nutzung der Informationen über den gesamten Lebenszyklus des Projekts (big BIM). Außerdem könnten hierfür Softwarelösungen eines einzelnen Herstellers (closed BIM), oder von mehreren Herstellern genutzt werden (open BIM).

Geht man von einem durchgängigen genutzten BIM, also einem big BIM aus, bestehen demnach zwei Möglichkeiten, auf welche an dieser Stelle nochmals genauer eingegangen werden sollte.

Einerseits ist es möglich gemeinsam an einem einheitlichen Modell zu arbeiten, indem ein closed BIM-Ansatz, sowie eine Cloud- Lösung genutzt wird. Andererseits bringt in der Praxis jedoch auch ein Koordinationsmodell, welches bei einem open BIM eingesetzt wird, Vorteile mit sich. Denn dieses erlaubt sowohl den Einsatz von unterschiedlichen Softwarelösungen, als auch eine Bereitstellung von Teilmodellen in einem Gesamt-, Koordinationsmodell. Der digitale Zwilling würde schrittweise durch die einzelnen Fachplaner mit den einzelnen Modellen bespielt, aber nicht im Gesamtmodell bearbeitet werden. So müssten bspw. nicht alle LOD des eigenen Modells weitergegeben werden. Ein Akteur könnte sich bewusst dafür entscheiden, nur ausgewählte Inhalte bereitzustellen.  Dies sei auch dann wichtig, wenn der Hersteller dem Kunden nicht alle Informationen über das eigene Produkt offenlegen möchte.

Wie sich an dieser Stelle bereits feststellen lässt, werden durch BIM neue Möglichkeiten, aber auch Tätigkeiten entstehen. Für diese ergäben sich daher u.A. die neuen Rollen des BIM-Koordinators und des BIM-Managers. Die Tätigkeiten eines BIM-Koordinators würden in Deutschland Tätigkeiten, wie die Kollisionskontrolle, die praktische Umsetzung, sowie die Abstimmungsorganisation umfassen. Der BIM-Manager dagegen berate den Auftraggeber und entwickle die Ablaufpläne auf übergeordneter Ebene. Damit fällt ihm auch die Aufgabe der Steuerung der BIM-Koordinatoren zu. Zusätzlich dazu unterstützt er alle Beteiligten in der Anwendung des BIM. Dennoch sind auch diese Rollen, wie so vieles beim BIM, noch nicht abschließend definiert.  Dies zeigt sich auch im Vergleich mit anderen Autoren, die BIM-Koordinator und BIM-Manager andere Aufgaben zuweisen.

Bedeutung in der Bauindustrie

Die Baubranche ist als traditionelle Branche bekannt, geprägt von Ineffizienz in ihren Prozessen und Leistungen.  Dies zeigt sich u.A. darin, dass die Produktivität, aufgrund veralteter Prozesse als gering eingeschätzt wird. Zusätzlich seien Verzögerungen und ungeplante Kosten Alltag und würden sich auf viele Brüche und eine mangelnde Abstimmung an Schnittstellen zurückführen lassen. Verschiedene Informationen werden bspw. in einzelnen Excel-Dokumenten gepflegt und die Ermittlung von Kosten findet über die Zusammenführung dieser Informationen statt. Die Methodik des BIM dagegen, verringert die Anzahl genau dieser Schnittstellen auf ein Minimum, digitalisiert gleichzeitig die Prozesse und steuert die Kommunikation. Damit setzt das BIM an der Ursache der traditionellen Herausforderungen in der Baubranche an. Aus diesem Grund sind sich auch verschiedene Autoren sicher, dass das BIM sich langfristig durchsetzen wird.  Besonders, da sich das BIM auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes auswirkt. Bis 2020 sieht das BMVI daher vor, BIM als Standard für Verkehrsinfrastrukturprojekte zu etablieren.  Doch damit ist das BMVI kein Vorreiter dieser neuen Arbeitsmethode. Denn während Deutschland der Digitalisierung in der Baubranche noch verhalten gegenübersteht, fordern bspw. die skandinavischen Länder oder Großbritannien bereits verbindlich den Einsatz dieser Arbeitsmethoden.

Übergeordnet wird sich von dem BIM versprochen, dass besonders die Planung der Kosten und Termine genauer werden, sowie die Qualität erhöht wird. Alle drei Aspekte sollen dabei aber nicht nur sicherer planbar, sondern auch nachhaltig optimiert werden.  Wichtig an dieser Stelle anzumerken ist, dass einerseits die Meinung vorherrscht, viele dieser Ergebnisse würden erst in nachgelagerten Phasen ersichtlich und nicht in der Bauphase selbst.  Andererseits gehen aber andere Autoren darauf ein, dass die Vorteile in frühen Phasen erkennbar seien.  Zurückzuführen ist dies darauf, dass sich die Entscheidungen in frühen Phasen auf die Betriebsphase des Objekts auswirken. Die lebenszyklusoptimierte Planung mithilfe des BIM ermöglicht es die Kosten, welche in der Betriebsphase anfallen zu reduzieren. Denn durch den Einsatz des BIM in den anfänglichen Phasen wird die Grundlage dafür gelegt, wie das Gebäude anschließend betrieben wird. An dieser Stelle können, im Gegensatz zur Betriebsphase, die Kosten noch beeinflusst werden. Um diese drei Oberziele zu erreichen, verbergen sich hinter dem BIM jedoch viele weitere Potentiale während der Planung, dem Bau und dem gesamten Lebenszyklus. Aufgrund der Vielzahl der positiven Einflüsse des BIM, sollen an dieser Stelle beispielhaft nur sehr häufig angeführte Vorteile des BIM beschrieben werden.


Da das BIM bereits in der Planung des Gebäudes startet, Modelle visualisiert und mit zusätzlichen Daten anreichert, lässt sich noch vor Beginn des Baus das Konzept validieren und visualisieren. Dies erleichtert sowohl dem Architekten, als auch dem Auftraggeber die Planung des Objekts. Zusätzlich zur Förderung der Zusammenarbeit verschiedener Gewerke in einem gemeinsamen Modell, beschleunigt dies auch den Konstruktionsprozess und erhöht die Transparenz. Dabei wird verhindert, dass verschiedene Informationen doppelt gepflegt werden und dabei Fehlerpotentiale entstehen. Hiermit steigt die Qualität der Informationen.  Durch diese Zusammenarbeit können Gefahren frühzeitig erkannt und bspw. spätere Kollisionen beim Bau verhindert werden. Nicht zuletzt hierdurch wird die Bauqualität selbst erhöht.

Durch die Eigenschaft des BIM, semantische Informationen zu verarbeiten, können bspw. auch entstehende Kosten und Verbräuche bereits in frühen Phasen berechnet werden. In diesem Zuge ist es auch möglich, diese noch vor dem Betrieb des Gebäudes zu optimieren. Dieselben Vorteile ergeben sich, durch die im Modell bereitgestellten Daten auch bei der Terminplanung, sowie bei der Logistik und Bereitstellung des Materials auf dem Bau.

Da die Modelle außerdem Informationen zu allen verwendeten Systemen im Gebäude vorhalten, eignen sie sich auch im Betrieb des Gebäudes. Durch die Integration der Daten in ein CAFM-System und die Nutzung moderner Technologien, entstehen weitere Vorteile. So stehen bspw. Nutzungsdaten zur Verfügung, Wartungen können vorhergesagt und Verbräuche kontrolliert werden.

Nach Aranda-Mena et al. lassen sich die eben genannten positiven Effekte des BIM in die technischen und wirtschaftlichen, sowie prozesstechnischen Verbesserungen einteilen.  Diese Einteilung verdeutlicht nochmals die Einflüsse des BIM in ihrer umfassenden Gesamtheit. Außerdem erklärt dies, weshalb das World Economic Forum fordert, BIM als Werttreiber und nicht als Kostenfaktor anzusehen.

Eine Studie aus dem Jahr 2008 untersuchte 32 Projekte, welche mit BIM durchgeführt wurden. Dabei zeigte sich, dass 7% der Projektlaufzeit eingespart werden konnten und dass die im vornherein definierten Kosten um 3% näher an den tatsächlichen Kosten lagen. Außerdem konnte die benötigte Zeit zur Kostenschätzung um 80% reduziert werden, während 40% weniger ungeplante Änderungen durchgeführt werden mussten.  Einer der Autoren dieser Studie, führte eine weitere Untersuchung verschiedener Fallstudien durch und ermittelte einen durchschnittlichen ROI von 634%, ohne die Vorteile des BIM während der Betriebsphase zu berücksichtigen.

Andere Quellen wiederum rechnen langfristig mit Kosteneinsparungen von zehn Prozent.  Zusätzlich zeigten Untersuchungen von Lu et al. bspw., dass das BIM nicht nur während der Bauphase, sondern auch während der Betriebsphase dafür sorgt, dass Gebäude umweltfreundlicher werden.

Insgesamt lassen sich also eine Vielzahl verschiedener Quantifizierungen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausmaßen des BIM finden. Daher sind diese Angaben mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht für den Einzelfall zutreffend. Dennoch zeichnet sich ab, dass alle Entwicklungen als positiv zu betrachten sind.

Einigkeit besteht auch darüber, dass Aufwände bei der Planung eines Gebäudes durch das BIM in frühe Phasen verschoben werden. Dies führt dazu, dass über den gesamten Lebenszyklus weniger Aufwand in der Ausführungsphase des Baus anfällt. Zusätzlich wird sogar damit gerechnet, dass Verzögerungen aufgrund von Rechtsstreitigkeiten wegfallen werden. Denn durch das BIM könne einfacher nachvollzogen werden, an welcher Stelle Fehler entstanden sind und von wem diese verursacht worden sind. Insgesamt wird daher davon ausgegangen, dass dies die Haftungsfälle nachhaltig minimiere.

Mit der Verschiebung der Aufwände werden aber auch Entscheidungen in frühe Phasen verlagert werden. Das bedeutet, dass zukünftig Planer direkt mit den Zulieferern in Kontakt treten könnten.  Hierauf müssen sich Unternehmen einstellen, um in den richtigen Phasen mit den richtigen Ansprechpartnern zu kommunizieren. Falls Zulieferer keine BIM-Daten bereitstellen, könnte es sein, dass sie für das jeweilige Projekt nicht mehr berücksichtigt werden. Dagegen besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die frühzeitige Bereitstellung von BIM Modellen dafür sorgt, dass diese auch in Zukunft wieder benutzt würden.

Dadurch würden sich auch die Geschäftsmodelle verändern und vor allem für den Mittelstand könnte dies weitreichende Folgen haben. Dieser sähe sich nämlich zusätzlich gezwungen, die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit den IT-Tools des BIM zu beschaffen. Außerdem müssten in diesem Bereich weitere Fähigkeiten aufgebaut werden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Aufträge, die bis dato vom Mittelstand ausgeführt wurden, könnten sich ansonsten zu Gunsten des Generalunternehmertums verschieben.


Da es beim BIM zentral um den Umgang mit Informationen geht, ist es notwendig, die bevorstehende Entwicklung dieser im Gebäudelebensyzklus zu betrachten. So sieht das BMVI für die Zukunft, dass besonders in der Betriebsphase weitere Informationen in die Objekte einfließen werden. Diese kämen von Systemen und Geräten, welche schon heute Daten erfassen und erzeugen, oder zusätzlich angeschlossen werden könnten. Diese Daten würden daraufhin konkrete Aussagen über all die relevanten Parameter eines Objekts ermöglichen.  Daher sind sich auch Fachbuch-Autoren sicher, dass die im BIM-Modell gespeicherten Daten die Grundlage für die Inbetriebnahme und den Betrieb eines Gebäudes legen werden. Besonders das Zusammenspiel mit Computer Aided Facility Management- (CAFM) Systemen, würde hier eine wichtige Rolle einnehmen.

Insgesamt zeigt sich, dass das BIM auch heute schon eine Vielzahl an Informationen bereithält, die für Entscheidungen jeglicher Art genutzt werden könnten. Oftmals würden den Managern hierzu aber noch die Softwareprogramme fehlen, um aus den vorhandenen Informationen tatsächlich Aussagen ableiten zu können.  Hier wird die Zukunft daher mit Sicherheit weitere Entwicklungen bereithalten.

Allein die hier angeführten Punkte sollten die Notwendigkeit für eine Auseinandersetzung mit dem BIM rechtfertigen. So liegt auch die Vermutung nahe, dass das BIM bereits standardmäßig genutzt wird. Dies wird jedoch nicht bestätigt. Denn obwohl das BIM bereits seit langer Zeit bekannt ist, blieb die Adaptionsrate weit hinter den Erwartungen zurück.  Eine Studie von Roland Berger in Verbindung mit dem Fraunhofer-Institut zeigt, dass das BIM als Planungsmethode kaum angewandt wird. 87% der Unternehmen verwenden und planen den Einsatz des BIM selbst in einer der untersten Dimensionen, der 4D-BIM Planung, nicht.  Ähnliche Werte finden sich auch in einem Bericht zur aktuellen Situation in der Baubrache des PwC.  Die Gründe hierfür lägen nach Ansicht von Walasek und Barszcz in darin, dass lange Zeit kein Austausch zwischen verschiedenen Softwarelösungen möglich gewesen sei. Außerdem hätten unterschiedliche Anwendergruppen verschiedene Ziele verfolgt. Da sich auch die Arbeitsprozesse durch BIM verändern, sei eine Adaption oftmals sehr schwierig gewesen. Zudem müssten sich neue Gesetze und Richtlinien ergeben.  Dass diese Herausforderungen jedoch nicht überraschend aufgetreten sind, wird u. A. durch Eastman et al. bestätigt, welche diese bereits 2008 definierten.  Die fehlende Standardisierung scheint eine Hauptursache zu sein und es wird daher als dringend notwendig angesehen diese vorzunehmen, um das BIM vollumfänglich zu nutzen und implementieren zu können.  Dennoch zeigt sich: Die Ursache liegt auch im „Nicht-Wollen“. Bestätigt wird dies durch das B_I Baumagazin. Dort wird darauf hingewiesen, dass der Einsatz des BIM derzeit nicht in dem Ausmaß stattfindet, in dem er stattfinden könnte, da die Bauherren durch die Hochkonjunktur nicht daran interessiert seien, BIM-Lösungen parallel zu den aktuellen Projekten zu testen.

Diese Einstellung wird sich in den nächsten Jahren verändern müssen, denn die oben dargestellten Ergebnisse zeigen: Das BIM wird in der Zukunft Standard in der Baubranche sein. Auf die Fragen des BIMMagazins, ob in zehn Jahren noch über das BIM diskutiert wird, gibt es eine geschlossene Meinung der Experten. Diese sind sich sicher, dass BIM in Zukunft genauso Standard sein wird, wie das CAD heute.

Das BIM (Building Information Modeling) ist eine neue Arbeitsmethodik mithilfe eines digitalen Zwillings des tatsächlichen Objekts. Dieser wird zusätzlich um Informationen erweitert, welche die Zusammenarbeit vereinfachen und verbessern. So finden sich in den einzelnen Modellen und Bauteilen Angaben über Kosten und Projektzeiten, bis hin zu Informationen für das FM (Facility Management). Es zeigt sich zwar, dass einiges noch nicht voll umfänglich definiert ist, aber dennoch wird das BIM selbst als zukünftiger Standard für die Baubranche angesehen.

Aus diesem Grund werden sowohl auf politischer Ebene, als auch durch andere Zusammenschlüsse Anstrengungen unternommen, um die Methodik voranzutreiben und klare Vorgehensweisen festzulegen. Denn klar ist auch, dass das BIM eine Vielzahl von Chancen und Möglichkeiten bereithält. Verschiedene Studien belegen den positiven Einfluss vor allem bezogen auf die Einsparung von Zeiten und Kosten, sowie der Steigerung der Qualität. Obwohl sich das BIM trotz dieser Vorteile nicht so schnell verbreitet, wie es das Thema selbst vermuten lässt, besteht dennoch klarer Handlungsbedarf für Unternehmen. Diese müssen sich mit den kommenden Veränderungen auseinandersetzen, um die eigenen Potentiale und Gefahren zu ermitteln. Diese scheinen gerade in Bezug auf die Verlagerung von Entscheidungen und von Einsparungen in der Betriebsphase eines Objekts von Bedeutung zu sein. Durch das BIM ist sicher, dass die Digitalisierung auch in die traditionelle Baubranche einziehen wird.

Über den Autor

Jonas Krauss war bis 2018-09 DHBW-Student Wirtschaftsingenieurwesen am Campus Friedrichshafen. Ralf H. KOMOR betreute während seines Mandates bei der WALDNER Laboreinrichtungen GmbH & Co. KG seine Bachelorarbeit mit dem Titel: „Entwicklung potentieller Geschäftsmodelle auf Grundlage des Building Information Modeling (BIM)“.